Mit Ugreen ist ein relativ neuer Player auf dem Markt der NAS-Systeme und wirbelt diesen kräftig auf. Auch mich haben die Berichte überzeugt. Meine Synology DS418play ist mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommen und da meine Bedürfnisse über einen reinen Datenspeicher hinaus gehen, sollte ein Upgrade her. Das neue Ugreen NAS DXP4800 Plus hatte es mir angetan, weshalb ich den Wechsel der Systeme gewagt habe. In diesem Beitrag geht es um einen ersten Eindruck, wieso bin ich von Synology weg und wie schlägt sich das Ugreen NAS in den ersten Tagen.

Willkommen Ugreen, du benötigte Konkurrenz!

Wenn du dich, wie ich, ein wenig in der Technikblase bewegst, kamst du sicher auch in letzter Zeit nicht um das Ugreen NASync DXP4800 Plus herum. Jeder Tech-Blog und Tech-YouTuber berichtete (gesponsert oder nicht) über dieses Gerät. Ugreen steckt viel Geld und Aufwand in solche Werbung und es funktioniert. Bei Amazon ist das Gerät Platz 1 in der Kategorie Network Attached Storage. Aber was ist dran an dem Hype und bin ich Opfer des Hypes geworden?

Nein (also hoffentlich nein 😆), ich denke tatsächlich, Ugreen hat einiges richtig gemacht, während Synology sich auf dem Thron ausruhte. Lass mich das aber einmal aufschlüsseln.

Eines will ich noch vorweg nehmen, dieser Beitrag ist nicht gesponsert. Ich habe mir das Gerät selbst gekauft.

Ugreen vs. Synology 2025

Ich brauchte neue Hardware, da meine Synology DiskStation aus dem Jahr 2018 einfach in die Jahre gekommen und meinen Anforderungen nicht mehr so richtig gewachsen ist. Meine Kandidaten waren deshalb die DS425+ von Synology und eben das DXP4800 Plus von Ugreen.

Specs

Generell fällt auf, dass Ugreen auf die stärkere Hardware setzt. Der Intel Pentium Gold 8505 ist deutlich stärker, als der Intel Celeron J4125 beim DS425+. Beim RAM wird es noch deutlicher, Ugreens NAS kommt mit 8GB DDR5 RAM und kann auf bis zu 64GB aufgestockt werden. Synologys Gerät hingegen kommt mit (fast lächerlichen) 2GB DDR4 RAM und kann nur auf 6GB aufgestockt werden (evtl. sind inoffiziell wieder die 10GB möglich, auf die ich auch mein DS418play aufgerüstet habe?!). Ugreens NAS hat einen 10 GbE-Netzwerkanschluss (plus einen 2,5 GbE), während Synology mit einem 2,5 GbE und einem 1 GbE kommt. Die Peripherie-Anschlüsse (USB, SD-Karte, HDMI, etc…) sind mir relativ egal, da ich keine Geräte ans NAS anschließe, aber auch hier hat das Ugreen die Nase deutlich vorn.

Auch, wenn das Ugreen NAS aktuell ein wenig teurer als Synologys Gerät ist, ist der Mehrwert an Ausstattung diesen Aufpreis wirklich wert! Preis-Leistung würde ich sogar an Ugreen geben. Willst du unbedingt ein NAS unter 500€ haben, würde ich zu Ugreens DXP4800 (non-plus) greifen, bevor es die DS425+ würde. In der non-plus-Version ist der Intel N100 Prozessor verbaut, der ebenfalls deutlich leistungsfähiger ist, als Synologys Chip. Du bekommst von Haus aus ebenfalls 8GB RAM und könntest auf 16GB aufstocken und beim Netzwerk hast du zwar keinen 10 GbE Anschluss, aber den hat Synology ja ebenfalls nicht. Dafür hast du 2x 2,5 GbE bei der non-plus-Version des DXP4800.

Bei der Erweiterbarkeit endet es nicht beim RAM. Die DXP4800 (Plus) besitzt zwei M.2 SSD Slots, um diese nachzurüsten. Dann können entweder Applikationen auf der SSD installiert werden und damit von einem Geschwindigkeitsvorteil profitieren oder die SSDs können als Cache verwendet werden, um viel transferierte Daten zu cachen und somit den Zugriff zu beschleunigen (vorausgesetzt, man hat entsprechende Netzwerkgeschwindigkeit).

Die technische Ausstattung geht also voll an Ugreen.

Die Software

Für die Software möchte ich zwei Punkte beleuchten, das Betriebssystem und die App. Gerade heutzutage wird viel über Mobilgeräte gemacht und Synology bietet hier wahrlich nur eingeschränkte Funktionalitäten und vertraut auf die Administration über die die Weboberfläche und die Nutzung, die man sich dann selbst konfiguriert. Aber der Reihe nach.

Betriebssystem

Synologys Software gilt allgemein als sehr stabil und auch ich muss bestätigen, dass ich in den 7 Jahren Nutzung keinerlei Probleme hatte. Das OS bietet alles, was zumindest ich brauchte. Mindestens, wenn man ein “All-In-One”-Paket eines Herstellers nutzen möchte. Natürlich gibt es hier Einschränkungen in der Konfigurationsfreiheit und für Features ist man großteils auf den Hersteller angewiesen. Aber wenn man sich auf Synology einlässt, dann funktioniert es gut.

Das Betriebssystem lässt sich super über die Weboberfläche administrieren und für den Familienbetrieb konnte ich alles so einrichten, wie ich es brauchte. Updates kamen regelmäßig, aber nicht in einer Flut (dank der bereits vorhandenen Stabilität) und es gibt eine Vielzahl an Apps, die direkt über das App Center bezogen werden können. Für vieles Weitere kann man Docker nutzen - selbst auf meiner DS418play konnte ich Docker (bzw. “Container Manager”, wie es bei Synology heißt) manuell installieren, da für dieses Gerät die App nicht im App Center zur Verfügung stand. Auch der Datenzugriff von anderen System funktioniert sehr gut mit Standards, wie webDAV oder SMB.

Aber Ugreen positioniert sich hier auf Augenhöhe. Auch hier funktioniert all dies. Ugreen liefert aktuell etwas häufiger Systemupdates aus, als Synology, aber das Betriebssystem ist auch noch deutlich jünger. Trotzdem sind die Kinderkrankheiten bereits beseitigt und der Betrieb läuft stabil. Doch Ugreen geht einen Schritt weiter und hat sich gegen einen Zwang des hauseigenen Betriebssystems entschieden. Ugreen unterstützt ganz offiziell das Installieren anderer Betriebssysteme und dies ohne den Verlust der Hardwaregarantie. In der Homelabbing-Szene ist beispielsweise Proxmox sehr beliebt und dies könnte man installieren und UGOS (Ugreens Betriebssystem) vollständig entfernen. Auf Proxmox könnte man dann ein TrueNAS aufsetzen und die Festplatten durchreichen. Wie cool ist das denn bitte?! Synology hingegen kassierte gerade einen Shitstorm, da sie softwareseitig die Nutzung von Dritthersteller-Festplatten unterbinden wollten. Glücklicherweise war der Aufschrei der Community so groß, dass sie mit dem kommenden Softwareupdate DSM 7.3 wieder zurückrudern werden.

Ugreen positioniert sich hier also komplett entgegengesetzt.

Auf Unterschiede in der Bedienung der hauseigenen Betriebssysteme will ich gar nicht all zu sehr eingehen. Natürlich gibt es welche. Die Administration von persönlichen und freigegebenen Bereichen ist anders, als sie es bei Synology war, aber das ist bei einem anderen Betriebssystem zu erwarten. Die Features an sich sind sehr ähnlich und die Bedienung ist bei beiden Systemen verständlich.

Ein Unterschied, auf den ich aber nochmal im Speziellen eingehen möchte, sind die Apps.

Die App(s)

Synology ist grundlegend darauf ausgelegt, über ein Desktopsystem mit Browser administriert zu werden. Apps installieren, Freigaben erteilen, Updates installieren, all dies findet über den DSM (DiskStation Manager, das Betriebssystem der Synology NAS) statt. Für die Nutzung der verschiedenen Services (Bilder, Dateizugriff, Drive, etc.) bietet Synology dedizierte Apps an. Apps, die allerdings etwas in die Jahre gekommen wirken. In der Bilder-App konnte meine Frau häufiger nicht auf geteilte Ordner zugreifen, da die App die erteilten Berechtigungen nicht erkannte, die Files-App kann unter iOS nicht nativ in die Dateien-App von iOS eingebunden werden. Die Apps wirken allesamt, als seien sie eine Art notwendiges Übel, da man heutzutage nunmal Apps anbieten muss.

Ugreen hingegen bietet eine einzelne App (iOS, Android) an, die alle Features beinhaltet. Das geht soweit, dass ich das NAS via App eingerichtet habe, da dies besser funktionierte, als der find.ugreen.com Link. Systemupdates können über die Apps installiert werden und auch Systemdaten (Ressourcenauslastung, Speicherbelegung, etc.) können gemonitort werden. Alle installierten Apps laufen innerhalb dieser App. Öffne ich also “Fotos”, habe ich eine vollwertige Foto-App innerhalb dieses Gesamtpakets. Ugreen schafft es aber für Nutzer des NAS, die kein Admin sind, die App so aufgeräumt anzuzeigen, dass eine Nutzung trotzdem recht intuitiv ist. Ich hätte für manchen Dinge, wie die Fotos, trotzdem gern dedizierte Apps, aber aktuell funktioniert es auch so sehr gut. Sogar für alle Mitglieder der Familie.

Ugreen scheint erkannt zu haben, dass viele Consumer diese Art der Nutzung bevorzugen und “mobile first” schon lange der neue Standard ist.

Fazit

Ugreen scheint den Privatanwendermarkt ins Auge gefasst zu haben. Leistungsstarke Hardware, Unterstützung für Homelabbing-Standards und moderne Bedienung sprechen sicher viele an, die sich für den heimgebrauch entweder zum ersten Mal ein NAS holen oder ein bestehendes NAS upgraden wollen. Beim ersten Eindruck überzeugt mich das Ugreen-System auf ganzer Linie. Meine Migration ist mittlerweile abgeschlossen und ich nutze das neue System.

Für mich ist die Hardware-Ausstattung wirklich relevant. Ich möchte dockerbasierte Projekte laufen lassen, die stärkere Ressourcen brauchen. Ich möchte eine gute hardwareunterstützte Transkodierung für meinen Medienserver. All dies kann ich mit dem DXP4800 Plus realisieren. Außerdem arbeite ich vermutlich zu 80 oder 90 Prozent von Mobilgeräten, wie meinem iPhone oder iPad - ich begrüße es, wenn die mobile Arbeitsweise so stark unterstützt wird. Die komplette Einrichtung des NAS hätte vom Smartphone aus per App funktioniert.

Ich setzte nun erstmal auf Ugreen und werde sicher hierzu auch ein paar Artikel online bringen. Ich will weiterhin meine Fotobibliothek zu pCloud1 sichern und werde sicher eine Lösung dazu suchen - eventuell wieder per rclone. Aber so etwas wird folgen, sowie sicher auch Erfahrungen mit Immich und/oder Ugreens eigenem Fotodienst. Aktuell evaluire ich beides.

Ich freue mich darauf, bis dahin!


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